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Beruf & Weiterbildung

Mit und für die Menschen arbeiten

Der Internationale Tag der Pflegenden am 12. Mai würdigt die Arbeit der Menschen, die Kranken und alten Menschen helfen. Gut ausgebildete und motivierte Pflegerinnen und Pfleger sind händeringend gesucht.

Alle Bereiche der Pflege, von den Kliniken über die Langzeit- und ambulante Pflege bis zu Reha-Einrichtungen, sind von Fachkräftemangel betroffen. Foto: Yakobchuk Olena - stock.adobe.com

7.05.2022

Alljährlich am 12. Mai soll mit dem „Internationalen Tag der Pflegenden“ deren Arbeit gewürdigt werden. In Deutschland wird dieser Tag seit 1967 begangen und erinnert an die britische Pflegerin Florence Nightingale, die als Pionierin der modernen Krankenpflege gilt und am 12. Mai Geburtstag hatte. In diesem Jahr lautet das Motto „Nurses: A Voice to Lead. In die Pflege investieren – Rechte respektieren für globale Gesundheit“. Es geht darum, dass die Pflegenden mehr Investitionen benötigen, damit sie gute Pflegequalität für alle leisten und ihre wichtige Rolle im Gesundheitssystem ausfüllen können. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, muss in allen Gesundheitssystemen die Rolle der professionell Pflegenden verstärkt werden. Denn gute gesundheitliche Versorgung und hochwertige Pflege erfordern vor allem eines – gut ausgebildete und motivierte Fachkräfte.

In Zeiten der Pandemie hat sich der Personalmangel verstärkt, insbesondere im Bereich der Intensivpflege haben viele Mitarbeitende die Konsequenzen aus der Dauerbelastung gezogen. Laut einer Umfrage der Deutschen Krankenhausgesellschaft fehlen in jeder dritten Klinik zwischen fünf und zehn Prozent des Pflegepersonals. „Der Fachkräftemangel ist bundesweit ein Problem und betrifft alle Bereiche der Pflege, von Kliniken über die Langzeitpflege und die ambulante Pflege bis hin zu Reha-Einrichtungen“, erklärt Andrea Kiefer, Vorsitzende des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe Südwest. „Eine Ursache ist, dass viele Kollegen und Kolleginnen aus dem Beruf ausgestiegen sind.“ Die von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie „Ich pflege wieder, wenn...“ ergibt ein Potenzial von 300 000 bis 660 000 zusätzlichen Vollzeit-Pflegekräften, wenn die Rahmenbedingungen stimmen würden (siehe Anhang).

Es gibt Argumente, die für einen Beruf im Gesundheitswesen sprechen. „Ein wesentliches Element der Pflegetätigkeit ist Beziehungsarbeit und Kommunikation“, erklärt Andrea Kiefer. „Natürlich bekommt man von Patienten und Patientinnen sowie von Angehörigen viel zurück. Zudem eröffnet die interprofessionelle Arbeit im Team Perspektiven, die in anderen Berufen nicht gegeben sind. Professionelle Pflege ist ein Beruf mit Sinn und einfach schön.“ Die Branche bietet Einsatzmöglichkeiten in vielen Feldern der gesundheitlichen Versorgung. Einsatzorte sind Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen der häuslichen Krankenpflege, Rehabilitation, Palliativpflege oder Psychiatrie. Pflegekräfte sind je nach Einsatzgebiet gesundheitsfördernd, präventiv, kurativ, rehabilitativ, begleitend oder palliativ tätig.

Ein Beruf wie jeder andere ist die Pflege definitiv nicht. „Man sollte Freude an und mit der Arbeit am Menschen haben“, betont Andrea Kiefer. „Dazu sollte man Offenheit, Flexibilität, Kreativität und ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein mitbringen.“ Wichtig sind auch ein naturwissenschaftlich-medizinisches Verständnis, Stressresistenz, eine hohe Reflexionsfähigkeit sowie die Bereitschaft, im Schichtwechsel zu arbeiten. „Pflege ist eine Profession“, bringt es Kiefer auf den Punkt. „Pflegefachpersonen sind mit ihrer dreijährigen Ausbildung oder durch ihr primärqualifizierendes Pflegestudium hoch qualifiziert und viele professionell Pflegende sind durch Weiterbildungen beziehungsweise weiterführende Studiengänge mit zusätzlichen Kompetenzen ausgestattet. Profis eben.“ Mit einer abgeschlossenen Pflegeausbildung an einer Fachschule oder Hochschule können sich Fachkräfte spezialisieren und Schritt für Schritt Karriere machen. Beispiele sind die Krankenhausbereiche Operationsdienst, Intensivpflege oder Anästhesie. Zudem gibt es Weiterbildungen in der Psychiatrie, Hospiz- und Palliativpflege oder Gerontopsychiatrie. Auch eine akademische Laufbahn mit Promotion und Professur ist möglich. Nicht zu vergessen bei der Berufswahl ist die Tatsache, dass Pflegefachkräfte durch die Digitalisierung nicht wegfallen können und das gilt längst nicht für alle Berufe. Brigitte Bonder

Studie sieht viel Potenzial für zusätzliche Pflegekräfte

Szenario: Durch die Verbesserung der Arbeitsbedingungen könnten Hunderttausende zusätzliche Vollzeit-Pflegekräfte gewonnen werden. Wie die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung mitteilte, stünden rechnerisch 300 000 Vollzeit-Pflegekräfte durch Rückkehr in den Beruf oder Aufstockung der Arbeitszeit zusätzlich zur Verfügung. Im „optimistischen Szenario“ wären es 660 000 Vollzeitkräfte.

Befragung: Hintergrund ist eine nicht repräsentative Befragung von 12 000 ausgeschiedenen Pflegekräften und Teilzeitkräften dazu, unter welchen Bedingungen sie zurückkehren oder ihre Arbeitszeit erhöhen würden. Die Hälfte der Teilzeitbeschäftigten und 60 Prozent der Ausgestiegenen könnten sich demnach bei verbesserten Arbeitsbedingungen eine Rückkehr in den Beruf oder mehr Arbeit vorstellen.

Motivation: Als stärkste Motivation hätten die Befragten eine Personaldecke genannt, die sich am Bedarf der pflegebedürftigen Menschen ausrichte. Auch wünschten sich Pflegekräfte eine bessere Bezahlung, verlässliche Arbeitszeiten, verbindliche Dienstpläne, respektvolle Vorgesetzte, einen kollegialen Umgang sowie mehr Augenhöhe gegenüber Ärztinnen und Ärzten. tmn

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